Scham kunstvoll

Neuere Beiträge

Leider schon fast wieder vorbei – eine Ausstellung im Bunker in Köln Ehrenfeld zum Thema „Scham, zwischen mir und der Welt“. 49 Künstler:innen wurden von der Jury des Kunstvereins 68elf, in dem ich seit etwa 1 Jahr Mitglied bin, ausgewählt. Das waren sowohl Künstler:innen aus dem Verein als auch andere, die sich auf die offene Ausschreibung beworben hatten. Ich finde, dass sowohl die Jury als auch das Projektteam, das die Exponate im Bunker gehängt und platziert hat, sehr gute Arbeit geleistet hat. Herzlichen Dank dafür!

Es ist eine spannende Mischung aus verschiedenen Zugängen zum Thema geworden. Die verschiedenen Künstler:innen bearbeiten das Thema auf so unterschiedliche Art und Weise, dass es schon alleine interessant ist zu sehen, was man alles mit dem Phänomen „Scham“ verbinden kann, aber auch wie man es künstlerisch in Szene setzen kann. In den Räumen des alten Bunkers mit seinen Betonwänden und dem recht fahlen Licht hat die Ausstellung eine Gesamtwirkung, die sehr gut zum Thema „Scham“ passt – man könnte fast sagen: Wie dafür gemacht.

Es gab auch noch eine Lesung zur Ausstellung, die nur für Erwachsene zugelassen war und gut besucht wurde. Mir haben die Texte von Thomas Dahl aus seinem Buch „In Höllen“ und die Gedichte von agii gosse aus ihrem Band „Poison“ sehr gut gefallen – mir die von agil besser und Michael die von Thomas. Nächsten Samstag findet auch noch eine Performance statt, zu der wir leider nicht kommen können, weil wir dann offenes Atelier haben.

Ich habe auf der Ausstellung mein Objekt „Eckstehplatz“ ausgestellt (siehe letztes Bild oben), das 2016 entstanden ist, ich es aber für die Ausstellung jetzt noch einmal überarbeitet habe und vor allem stabilisiert mit Verbindungsstücken aus dem 3D Drucker.

Der Eckstehplatz ist aus der Themenreihe „Aufenthaltsmale“ und setzt besonderen Orten des Aufenthaltes ein Denkmal: Wenn man etwas angestellt hat und sich dafür schämen soll, musste man früher – oder mancher Orts vielleicht heute noch – in der Ecke stehen mit dem Gesicht in die Ecke gerichtet. Es ist also ein unrühmlicher Ort, ein Ort, dessen Bestimmung auf das Schämen festgelegt ist. Er sieht nicht zufällig ein wenig wie ein Foltergerät aus. Man muss sich bei ca. 1,50 Meter Höhe auch etwas bücken als erwachsener Mensch, um nicht – auch im übertragenden Sinn – aufrecht zu stehen. Das Gesicht steckt man halb durch ein Loch in einen schamroten Innenraum des Eckstehplatzes. 

Interessant auch die Gespräche mit jüngeren Besucher:innen der Ausstellung, die solche Strafen wie in der Ecke stehen zu müssen höchstens noch aus Erzählungen Älterer kannten. Gut, dass es ein Denkmal ist, denn es ist wohl – und das ist gut so – heute aus akzeptablen Vorstellungen von Pädagogik herausgefallen.

Man darf oder soll den Eckstehplatz gerne mal ausprobieren und erfahren, wie man sich in einer solchen Schamecke, vom Raum und Geschehen im Raum abgewandt, fühlt. Das wurde auch zu meiner Freude von mehreren Besucher:innen wahrgenommen – und von mir selbst natürlich auch.

Insgesamt eine m.E. gelungene Ausstellung und ich freue mich auf weitere Möglichkeiten mit 68elf Themen für Ausstellungen auf den monatlichen Treffen gemeinsam auszuhecken und gemeinsam auszustellen.

Neuere Beiträge Share Post :

More Posts