Was ist Konzeptmusik?

Konzeptmusik ist das Pendant zur Konzeptkunst in der bildenden Kunst.

In der Konzeptkunst ist die Ausführung des Kunstwerks von geringerer Bedeutung als die Idee, die hinter dem Kunstwerk steht. Ein wesentliches Element der Konzeptkunst ist dabei die Einbeziehung des Betrachters.

Ein Beispiel für Konzeptkunst ist der Standortpunkt von Monika. Es ist weniger wichtig, ob der Punkt aus rotem Beton, aus Kunststoff oder nur auf dem Boden aufgemalt ist. Wesentlich ist die Idee dahinter. In diesem Fall geht es um die Differenz zwischen landschaftlichem und geographischem Raum. Dazu wurde der standardmäßig auf Straßenkarten eingezeichnete rote Punkt („Sie sind hier“) – der in Wahrheit gar nicht da ist – in den realen, landschaftlichen Raum gestellt. Indem sich der Betrachter auf das Werk einlässt und sich auf den Punkt stellt, vor einer Karte, auf dem der eigene Standort mit eben solch einem roten Punkt markiert wurde – er also mit dem Kunstwerk interagiert – wird er in seinen Selbstverständlichkeiten irritiert und angeregt, über diese Differenz zu reflektieren.

Genauso steht in der Konzeptmusik ein Konzept oder eine Idee im Vordergrund. Beispiele sind die Werke des zeitgenössischen Komponisten Johannes Kreidler, der etwa in seiner Charts Musik (2009) aus Aktienkursen Melodien mithilfe der Microsoft Komponiersoftware „Songsmith“ erzeugt hat.

Konzeptmusik ist keine Musik, die man unterwegs in der Bahn hört, genauso wenig wie man sich eine Fettecke von Beuys (auch ein Beispiel für Konzeptkunst) ins Wohnzimmer hängen würde. Sie ist vielmehr die Vertonung oder musikalische Umsetzung einer „außermusikalischen“ Idee und folgt damit nicht in erster Linie ästhetischen Gesichtspunkten. Solche Ideen können auch übergreifende Themen wie Alltags-Wahnsinn (Neurotisches Bürointerieur, s.u.) oder Nützlichkeit (Useful-needless Rhapsody, s.u.) sein, oder eine Stimmung oder Lebens-Haltung (Le Flâneur, s.u.).

Da (bildende) Konzeptkunst und Konzeptmusik von ähnlichen Voraussetzungen ausgehen, lassen sie sich gut verbinden. Wir tun dies in unseren performativen Installationen, in denen sich bildende Kunst (Objekte, Bilder, Zeichnungen etc.) und Musik (Melodien, Sound, Gesprochene Texte etc.) unter Einbezug des Betrachters zu einem gemeinsamen Werk verbinden.

Letztendlich gibt es keine verbindliche Definition davon, was Konzeptmusik ist. Das macht es so spannend, weitere und neue Wege dieser Kunstform zu erforschen, die sich auch mit den digitalen Möglichkeiten stetig erweitern (vom immer einfacher werdenden Sampling von Sounds bis hin zum Einsatz künstlicher Intelligenz).

(c) Sämtliche Musik, die auf der Phänomanie-Seite vorgestellt wird, wurde selbst komponiert und produziert.